Blog » Fachwissen zu Keramik » Was macht Fayence und Majolika aus? Veröffentlicht am: 09.08.2021
Fayence Majolika Teller

Was macht Fayence und Majolika aus?

Wohl jeder kennt Beispiele für Majolika und Fayence – vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein. Die handgemachte Keramik mit der weißen Glasur und kunstvoller Bemalung hat eine lange Geschichte, die längst noch nicht zu Ende geschrieben ist. Heute interpretieren kleinere Töpfereien die alte Technik ganz neu. Begleite uns auf einer kleinen Zeitreise und entdecke, was sich hinter den Begriffen Majolika und Fayence verbirgt.

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Woher stammt der Name Majolika?

Der Begriff Majolika geht auf das alt-Italienische “Maiolica” zurück und leitet sich von der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca ab. Doch was hat Majolika mit der Lieblingsinsel der Deutschen zu tun? Um dies zu beantworten, werfen wir zunächst einen Blick zurück in vorchristliche Zeit.

Ein blaues Flusspferd vom Nil

Die Ursprünge von Fayence und Majolika gehen bis auf das 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Eines der bekanntesten Stücke aus jener Zeit ist ein in Fayence-Technik hergestelltes Nilpferd, das bei Ausgrabungen in Ägypten zutage kam. Das blaue Flusspferd “William”, das als Grabbeigabe am Ufer des Nils gefunden wurde, erlangte weltweit Berühmtheit. Es ist heute im Metropolitan Museum of Art in New York zu bewundern und besitzt einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Repliken des Dickhäuters sind inzwischen gar zum Maskottchen des beliebten Museums avanciert.

Vom alten Persien bis ins maurische Spanien

Fayence, wie wir sie heute verstehen, kannten die Perser seit dem 5. Jahrhundert. Von Persien aus gelangte die Technik nach Mesopotamien. Von dort verbreitete sich die Keramikkunst auf den gesamten islamischen Kulturkreis. Womit wir wieder zu unserem Ausgangspunkt Spanien zurückkommen. Denn dort hielt mit der Besetzung Spaniens durch die Mauren, die im Jahr 711 begann und erst 1492 mit der Rückeroberung Granadas enden sollte, auch die Fayence-Technik Einzug. So sind die prachtvollen handgemachten Fliesen, die die Alhambra in Granada schmücken, in dieser Technik angefertigt.

Im 14. und 15. Jahrhundert weckte in Fayence-Technik hergestellte Keramik auch das Interesse italienischer Kaufleute. Von nun an traten Keramikschalen, Keramikvasen und Keramikkrüge von einem der spanischen Haupthandelsplätze Mallorca ihre Reise nach Italien an. Der Begriff Majolika war geboren. Inspiriert von den kunstvollen handgemachten Stücken fertigten italienische Töpferwerkstätten wenig später selbst Majolika-Keramik an und entwickelten ihren ganz eigenen Stil.

Majolika erobert Europa

Im 16. Jahrhundert prägten die Franzosen einen eigenen Begriff für Majolika und nannten die emblematische Keramik kurzerhand Fayence. Sie leiteten die Bezeichnung von der italienischen Stadt Faenza ab, die damals eines der Zentren der Herstellung von Fayence-Keramik war. Zu jener Zeit begannen auch Töpferwerkstätten in Frankreich und den Niederlanden handgemachtes Geschirr nach italienischem Vorbild anzufertigen. In der niederländischen Stadt Delft entwickelte sich daraus später das berühmte Delfter Porzellan, das durch seine charakteristische kobaltblaue Bemalung hervorsticht.

Auch in Deutschland kreierten Töpfer eine eigene Stilrichtung der Fayence-Keramik. So reihten sich ab dem 17. Jahrhundert in den Regalen der Apotheken Keramik Vorratsgefäße im Fayence-Stil auf. Sie beherbergten Kräuter, Tees und allerlei Rezepturen. Später fanden auch kunstvoll hergestellte Keramikteller, Keramikschalen und handgemachte Tassen mit weißer Glasur und blauer Bemalung sehr viel Anklang im Bürgertum. Anfang des 18. Jahrhunderts gelang es sächsischen Töpfern, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu lüften, das die Chinesen für sich behielten. Die Porzellanmanufaktur Meißen entstand und stellte in Serie feines Tafelgeschirr für Königshaus, Adel und Bürgertum her. Nun wurde Fayence mehr und mehr vom eleganteren Porzellan verdrängt. Heute entdecken viele Töpfer den Reiz der alten Technik wieder für sich.

Was ist typisch für Keramik in diesem Stil?

Handgemachte Majolika und Fayence zeichnen sich durch weißen Untergrund aus, der einfarbig oder mehrfarbig bemalt ist. Durch die weiße Glasur wirken Fayencen schon fast wie Porzellan.
Das Weiß entsteht durch eine opak deckende Glasur, die einen hohen Anteil an Zinn enthält. Das Bemalen erfolgt in Inglasurtechnik. Dabei trägt der Töpfer Farben auf die noch ungebrannte Glasur auf. Sie sinken beim Brennen in die Glasur ein. Diesen Prozess überstehen nur wenige sogenannte Scharffeuerfarben. Um die Farbpalette zu erweitern, bringt der Töpfer nach dem Glasurbrand eventuell Aufglasurfarben auf, die auch Muffelfarben genannt werden. Abschließend folgt bei niedrigeren Temperaturen ein dritter Brand.

Ursprünglich wurde Majolika traditionell nur mit Kobaltblau, Kupfergrün, Manganviolett und Antimongelb bemalt. Dies gilt vor allen Dingen für Majolika-Keramik italienischer und spanischer Provenienz. Später erweiterte sich die Farbpalette erheblich – heute steht dem Töpfer ein breites Farbspektrum zur Verfügung.

Was unterscheidet Majolika von Fayence?

Beide gehen auf denselben Ursprung zurück und werden mit derselben Technik glasiert und bemalt. Sie unterscheiden sich einzig in unterschiedlichen Dekors und Stilen, die sich im Laufe der Jahrhunderte in einzelnen Ländern entwickelt haben.

Modern interpretiert und effektvoll in Szene gesetzt

Heute erleben alte Töpfertechniken eine regelrechte Renaissance. Das gilt auch für handgemachte Keramik im Majolika-Stil. In unserem Töpferei Onlineshop findest du unzählige Beispiele für kreative, moderne Keramik, die sich althergebrachter Techniken bedient. Vom tollen Keramik Geschirr bis hin zu künstlerischen Einzelstücken. Töpfern heißt immer mit den verschiedensten Techniken experimentieren und spielen, um einen persönlichen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln. In unserem Keramik Onlineshop gibt es stets neue, wunderschöne Stücke zu entdecken, die zu deiner persönlichen Lieblingskeramik werden könnten. Schau einfach mal rein!

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