Rohbrand

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Beim Rohbrand macht das aus Ton geformte Werkstück zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Feuer. Der erste Brand kennt in der Fachwelt viele Namen. Ob nun Rohbrand, Schrühbrand, Vorbrand oder Biskuitbrand – alle Begriffe meinen denselben Vorgang. Was es über die Feuertaufe Interessantes zu wissen gibt, liest du hier.

 

Rohbrand – kritischer Moment bei der Herstellung

Sobald das kunstvoll hergestellte Werkstück aus Ton gänzlich getrocknet ist, kann es zum ersten Mal gebrannt werden. Noch ungebranntes Keramik Geschirr, Keramiktassen, Becher und Keramikschüsseln bezeichnen Töpfer auch als Grünware.

Der erste Brand ist einer der heikelsten Augenblicke bei der Herstellung handgemachter Keramik. Wird das Stück zum ersten Mal großer Hitze ausgesetzt, können sich kleine Ungenauigkeiten beim Verarbeiten des Tons, beim Drehen oder Aufbauen schnell rächen. Wurde der Ton nicht sorgfältig genug verarbeitet oder gibt es Lufteinschlüsse, können Risse entstehen. Die Grünware kann im ungünstigsten Fall sogar zerplatzen.

 

Wie läuft der Rohbrand ab?

Auch perfekt verarbeiteter Ton kann beim Rohbrand reißen, denn selbst vollständig getrocknete Grünware enthält noch eine bestimmte Restfeuchte, die kristallin gebunden ist. Aus diesem Grund heizt der Töpfer den bestückten Brennofen in sehr kleinen Schritten hoch. So entsteht weniger Druck im Gefäß und die enthaltene Feuchtigkeit kann langsam in Form von Wasserdampf entweichen.

Üblicherweise steigert der Töpfer zu Beginn des Rohbrands die Temperatur jede Stunde um 100º C bis 650º C erreicht sind. Etwas unter dieser Brenntemperatur erfolgt der sogenannte Quarzsprung – bei diesem Vorgang erfolgt die Umwandlung in einen festen Körper, der sich nicht mehr in Wasser auflöst. Dabei vergrößert sich schlagartig das Volumen des Gefäßes.

Danach lässt sich die Temperatur schrittweise um 150º C pro Stunde steigern, bis eine Brenntemperatur von 950º C erzielt ist. Handelt es sich um Steinzeug, liegt diese Temperatur bei 1050º C. Die Zieltemperatur wird nun für 20 Minuten gehalten. Danach wird die Temperatur genauso langsam schrittweise abgesenkt. Hat der Brennofen 100º C erreicht, kann der Töpfer ihn vorsichtig einen Spalt öffnen. Nun ist die Grünware zu Keramik geworden.

Wie häufig das Stück nach dem Rohbrand noch in den Ofen muss, entscheiden gewähltes Material, Glasuren und Maltechnik. In der Regel folgt ein weiterer Brand, der Glasurbrand. Wenn mit Aufglasurfarben gearbeitet wurde, schließt sich noch ein Farbbrand an.

Töpfern ist ein anspruchsvolles Kunsthandwerk und erfordert profundes Fachwissen und Erfahrung, die sich ein Keramiker in vielen Jahren der Ausbildung aneignet. Vom Tonklumpen bis zum bunt bemalten, handgemachten Geschirr ist ein weiter Weg, auf dem viele Arbeitsschritte zu durchlaufen sind. Wer diesen Weg kennt, weiß die damit verbundene Arbeit besser zu schätzen und kann sich umso mehr an wunderschönem, einzigartigem Geschirr aus der Töpferei erfreuen.

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